Panzer am Nationalfeiertag

26.10.2006

Am großen Feiertag der Republik hält uns der Staat seine Waffen unter die Nase. An allen Ecken und Enden Österreichs ragt uns schweres Geschütz entgegen, am Heldenplatz kann man Panzerrohrlängen vergleichen, die Kinder dürfen, wenn sie brav sind, den Eurofighter streicheln gehen. Politiker schreiten ehrfurchtsmelkend an jungen Stahlhelmen vorbei, die Rekruten versprechen mit unnötiger Lautstärke, ihr gelobtes Land zu verteidigen, bis dass der Tod sie scheidet. Ich wundere mich.

Soldaten haben einen wichtigen und ehrenwerten Beruf. Sie scheuchen mit Sandsäcken die Flut aus den Städten, schaufeln Häuser unter Muren hervor und retten Menschen aus Dörfern, die von Lawinen überfallen wurden. Sollte Österreich militärisch angegriffen werden - so unmöglich das heute auch scheint - würden die Soldaten das Land verteidigen. Sie müssten schießen, verletzen, töten. Das ist der grauenvollste und abstoßendste Teil ihres Berufes, aber auch dafür bezahlen wir sie. Selbst wenn wir nun annehmen, dass unsere grünlichbraunen Kriegsinstrumente zurecht zur notwendigen Ausrüstung unserer Soldaten gezählt werden, bleiben sie doch Werkzeuge für die ekelhaftesten Tätigkeiten, die wir uns vorstellen können, für Maßnahmen, die wir nie zu benötigen hoffen.

Am großen Feiertag der Republik werden nun genau diese Werkzeuge für die ekelhaftesten Tätigkeiten des Staates hervorgeholt und feierlich vorgeführt. Auch zu Hause gibt es manchmal ekelhafte Tätigkeiten zu erledigen. Das Klo putzen, wenn es verstopft ist, beispielsweise, oder die Mülltonne auswischen, wenn sie zu sehr stinkt. Würde zu Weihnachten, am großen Feiertag der Familie, jemand den Kindern mit stolzem Ernst Putzfetzen und Toilettenreiniger vorführen? Schau, mein Kleiner, das ist die Bürste, mit der man den Stinkedreck wegputzt, wenn du groß bist, darfst du das auch machen!

Militärische Verteidigung mag vielleicht notwendig sein, doch dann ist sie ein notwendiges Übel. Dass gerade das Kriegführen am Feiertag als strahlendreiner Urquell des Nationalstolzes zelebriert wird, dass gerade Metallrohre zum gewaltsamen Beenden von Menschenleben uns in Feierstimmung erheben sollen, ist traurig, verrückt, absurd. Wenn man schon, aus welchem Grund auch immer, aus allen Berufsgruppen die Soldaten dazu auswählt, am Nationalfeiertag eine besondere Rolle zu spielen, dann sollten sie wohl besser die Werkzeuge mitbringen, die wirklich wichtig sind: Nicht Gewehre und Panzer, sondern Schaufeln und Sandsäcke.